Poco Bueno

Poco Bueno und sein Vater King P-234 sind wohl das berühmteste Vater/Sohn Team der Quarter Horse Zucht geworden. Es ist schwer zu sagen, wo der Erfolg des Einen aufhörte und der des Anderen begann.

Poco Bueno’s 17jährige Showkarriere ebenso wie der Ruhm den er durch seine Nachzucht erlangte zeugen davon. Er brachte 36 AQHA Champions und 84 ROM Qualifier hervor, was für damalige Zeiten einen absoluten Rekord darstellte und ihn an die Spitze der Leading Sires brachte. Ebenso brachte er 1958 seinem Besitzer E.Paul Waggoner die Auszeichnung zum besten Züchter durch die grosse Zahl von Halter Class Winnern, ROM Qualifiern und Gewinnern von AQHA Championships.

Es scheint offensichtlich, dass Poco Bueno’s Überlegenheit in seiner Abstammung begründet war. Die Vorrangstellung seines Vaters King P-234 ist jedem bekannt. Die meisten Menschen, die sich für die Quarter Horse Geschichte interessieren wissen, dass Poco Bueno von Jess Hankins aus Rocksprings, Texas, gezüchtet wurde; dass sein Vater der berühmte King P-234 war, welcher abstammte von Zantanon von Little Joe von Traveler und dessen Mutter Miss Taylor war, eine Tochter von Poco Bueno old von Little Joe von Traveler. Man findet auf beiden Seiten von Poco Bueno’s Pedigree die Zuchtlinien von Jeanette, Strait Horse, Sykes Mare, Yellow Jacket, Jenny, Hickory Bill, Peter McCue und viele andere die lange unvergesslich in der Geschichte der Quarter Horse Zucht sind.

Mit dieser Fülle hochkarätigem Blutes im Pedigree hat die Nachzucht von Poco Bueno alle nur möglichen genetischen Vorteile um das Erbe der Vorfahren aufrecht zu halten, sofern das andere Elternteil aus einer ähnlich guten Zuchtlinie stammt.

In den Jahren in denen Poco Bueno zu einer internationalen Größe wurde drängten praktisch alle Besucher der Wagooner Ranch darauf, diesen attraktiven Hengst, von dem sie schon soviel gehört hatten, in Natura sehen zu können.

Von seiner erstklassigen Position im ultramodernen 20 - Boxen Stall konnte er die ganze Santa Rosa Roundup Arena überblicken und entdeckte so sofort jeden herannahenden Besucher. Angestellte der Waggoner Ranch, die so vertraut mit den Verhaltensweisen des Hengstes waren, dass sie seine Gesten meistens richtig deuten konnten behaupteten, dass er beim ersten Wittern fremder Besucher seine Ohren spitzte und sich in Pose stellte. Und dass er, beim Anblick einer Kamera wie ein selbstherrlicher Prahlhans agierte und es nur noch fehlte, dass er “ Cheese” sagte.

Trotz seines beeindruckenden Pedigrees erkannte man nicht sehr früh dass grosse Potential welches in ihm steckte. Mr Hankins stellte Poco Bueno das erste Mal als Jährling in Fort Worth vor, wo er in seiner Klasse nur Fünfter wurde. Obwohl schon zu diesem Zeitpunkt einige Leute Interesse für den jungen Hengst zeigten, wollte doch keiner den Kaufpreis von US $ 1.250,- zahlen. Tatsache war, dass der junge Poco Bueno kein “ Eye Catcher” war, aber es dauerte nicht lange bis sich dies änderte...

Mr Hankins showte den Hengst einige Monate später in Stamford, Texas, wo er seine Klasse gewann. Die Zeit hatte dem jungen Hengst gutgetan. Er hatte deutlich an Volumen gewonnen und man sah bereits Anzeichen dafür, dass er eines Tages ein herausragender Vertreter seiner Rasse werden könnte.

Poco Bueno’s ruhmhafter Aufstieg begann bei einer Auktion von Mr Hankins, auf der Dan Waggoner den Hengst mit einem Gebot von US $ 5.700,- ersteigerte - ein unglaublich hoher Preis für die damalige Zeit. Dieser für Poco Bueno gezahlte Preis trug massgeblich zum Glanz der Karriere seines Vaters King bei, der wohl für immer eine Spitzenstellung unter den Quarter Horse Stammeltern einnimmt.

Man kann sich fragen was Mr Waggoner dazu veranlasste sich ganz auf Poco Bueno zu konzentrieren, ihn aus der grossen Menge der vielversprechenden Junghengste, die zu dieser Zeit angeboten wurden, auszuwählen. Entdeckte er einige spezielle Kombinationen von Blutlinien oder war etwas ganz besonderes an diesem Hengst, was für andere Züchter einfach nicht ersichtlich war ?

Über die Umstände, die Mr Waggoner dazu veranlassten, sich den jungen Hengst anzuschaffen und wie er gehalten, trainiert und in die Waggoner Zucht einbezogen wurde berichtete Mr Turpin, ein hochangesehener Pferde- und Rindermann, der lange Zeit mit den Waggoners eng verbunden war.

Laut Mr Turpin beschloss Paul Waggoner im Jahre 1945 sich auf seiner Three D’s Stock Farm in Arlington, Texas, vermehrt um ein Quarter Horse Zuchtprogramm zu kümmern. Er begann damit sich nach einem vielversprechenden Junghengst umzuschauen. Zum ersten Mal sahr Mr Waggoner Poco Bueno als Jährling auf der besagten Stamford Show als er dort seine Klasse gegen einige andere gute Jährlinge gewann. Mr Waggoner setzte seine Suche nach einem Hengst, der die Qualitäten aufwies auf denen eine erfolgreiche Zucht basieren kann, fort, doch hielt er Poco Bueno in Erinnerung. Wie man heute weiss, war Mr Waggoner Monate später der erfolgreiche Bieter für Poco Bueno aud dem Hankins Sale im Oktober 1945.

Kurz nachdem Poco Bueno auf die Three D’s Farm in Arlington kam wurde er unter den Sattel genommen. Bob Burton war zu dieser Zeit Vormann und Trainer auf der Ranch und er war laut Mr Turpin der erste, der den Hengst sattelte, einritt und an Rindern arbeitete. Obwohl Bob mit ihm begann Kälber zu ropen dauerte es nicht lange, bis man Poco Bueno’s angeborenes Cuttingtalent entdeckte.

Als Bob Burton die Ranch verliess um sein eigenes Geschäft zu gründen, wurde sein Platz als Vormann und Trainer von Pine Johnson übernommen. Dieser führte das Training und die Betreuung Poco Bueno’s fort und nahm den Hengst zu vielen grossen Shows mit, wo sich schnell zeigte, dass seine Leistungen wirklich aussergewöhnlich waren.

1947 hob sich Poco Bueno bei der Denver National Western Show das erste Mal hervor als er die Arena mit der Auszeichnung Grand Champion verliess. Im folgenden Jahr nahm Poco Bueno wieder an der National Western Show teil, diesmal im Cutting. Er gewann zwar nicht den Top Award, aber er konnte sich als Dritter plazieren . Laut Mr Turpin war dies wohl das erste Mal, dass ein Champion Halter Horse auch bei der Arbeit unter dem Sattel gezeigt wurde.

Eine andere Aktion, die viel Aufmerksam einbrachte war die Darbietung einer Vater - Sohn Kombination bei einer Cutting Prüfung. Poco Tivio, geboren 1947 von Poco Bueno aus der Sheilwin, zeigte sich sehr früh ebenso talentiert wie sein Vater. Man gab ihn zum Einreiten an Willis Bennett, der auf der Three D’s Ranch arbeitete. Bennett arbeitete ihn auch an Rindern, bis man überzeugt war, dass er auf einer Show eine gute Figur machen würde. Man nahm Poco Bueno und Poco Tivio mit zu einer Show in Paducah, Texas und meldete die beiden für den Cutting Wettbewerb an, jeder als Turnback für den anderen. Die Vater / Sohn - Vorstellung war ein grosser Erfolg und viele Quarter Horse Enthusiasten versuchten noch Jahre später eine ähnliche Kombination auf eine Show zu bringen, doch wie die Aufzeichnungen zeigen, war es nicht leicht einen vergleichbaren Erfolg wie die Kombination der Waggoners mit Poco Bueno und Poco Tivio zu erzielen.

Laut Mr Turpin deckte Poco Bueno selten an der Hand. Obwohl von seinem ersten Tag in Arlington an auf seine Fütterung und Versorgung sehr grossen Wert gelegt und diese sorgfältigst kontrolliert wurde glaubten die Waggoner Leute doch, dass es am Besten wäre ihn unter möglichst natürlichen Bedingungen zu halten. In jeder Decksaison brachten sie ihn deshalb hinaus auf die Weide mit seiner Herde von ca. 35 Zuchtstuten. Dort blieb er bis zum Ende der Decksaison. Mr Turpin erzählte, dass Poco Bueno in Show Kondition auf die Wiese kam, aber wenn er am Ende der Saison wieder auf die Ranch kam, hatte er das Aussehen eines ganz und gar gewöhnlichen Pferdes. Er war ziemlich verschrammt und hatte einiges an Gewicht verloren.” Aber ich denke es war gut für ihn,” sagte Mr Turpin,” und ich bin überzeugt dass es ihm für seine Entwicklung zu dem grossartigen Pferd, welches er wurde, sehr hilfreich war - in Bezug sowohl auf seine Confirmation als auch auf seine Disposition.”

Für eine Betrachtung der Fähigkeiten Poco Bueno’s von dem Moment an als er unter den Auktionshammer beim Hankin’s Sale kam bis zu seiner späteren Position in der Quarter Horse Zucht sagt Mr Turpin er habe sich oft gewünscht, Poco Bueno könnte reden. Seiner Meinung nach war Poco Bueno ein Pferd welches für sich selber dachte und oft versuchte zum eigenen Vorteil etwas über seine Pfleger und Trainer herauszufinden. Er benahm sich entsprechend, nicht in tückischer oder böser Manier, nur gerade soweit, wie es noch hingenommen wurde; vergleichbar mit einem Jungen, der ausprobiert wie weit er gehen kann ohne von seinen Eltern bestraft zu werden.

Wenn man sich den atrraktiven 18 x 30 Fuss grossen Pokalraum auf der Santa Rosa Roundup Rodeo Anlage anschaut, der gefüllt ist mit den Pokalen, die Poco Bueno und seine Nachzucht gewonnen haben wird man nicht behaupten mögen, er wäre zu lange geshowt worden um den Titel des AQHA Champion zu erreichen. Man muss bedenken, dass die AQHA erst 1951 begann, die Show- und Performancerecords aufzubewahren und auszuwerten. Zu dieser Zeit war Poco Bueno bereits sieben Jahre alt und er hatte schon zahlreiche Top Auszeichnungen bei grossen Shows gewonnen. Um die begehrte Auszeichung des “AQHA Championship” zu erreichen wurde er ,nach längerer Pause, wieder zu Wettbewerben mitgenommen, wo er schnell durch grosse, stark besetzte Shows genug Punkte sammeln konnte um Berühmtheit zu erlangen. Mehr noch, die Shows, in den Poco Bueno seine Punkte sammelte gehörten zu den bedeutesten Shows der damaligen Turnierszene.

Poco Bueno kann man nur als grossartiges Pferd bezeichnen. Und er hatte die Fähigkeit, diese Größe an seine Nachkommen weiterzugeben:

Um den Rahmen nicht zu sprengen wollen wir hier nur einige seiner Söhne und Töchter aufführen, die den Titel AQHA Champion erhielten ( H= Halterpunkte; P = Performancepunkte ):

Poco Bay (39 H; 14 P) ; Poco Bob (51 H; 125 P) ; Poco Champ (54 H; 26P) ;Poco Dell (35H; 15P) ; Poco Doll (96H; 17P) ; Poco Enterprise (20H; 26P) ; Poco Imprint (22H; 45,5P) ; Poco Jessie (19H; 89P) ; Poco Lena (174H, 671 P) ; Poco Lynn (83H; 20P) ; Poco Mona (47H; 283P) ; Poco Nadine (106H; 14P) ; Poco Pine (135H; 17P) ; Poco Robin (25H; 60P) ; Poco Speedy (12H; 42,5P) ; Poco Stampede (104H; 379P) ; Poco Tianna (41H; 16P) ; Poco Tivio (12H; 19P) ; Poco Willy (47H; 14P) ; Pretty Boy Pockey (89H; 50P) ;

Es wundert nicht, dass die Waggoner Familie und Menschen, die damals mit der Ranch verbunden gewesen sind, auch persönlich Stolz auf die zahlreichen Fähigkeiten Poco Bueno’s waren. Das alte Sprichwort, dass jeder einen Sieger liebt, gilt im Pferdegeschäft ebenso wie überall.

Während seiner letzten Jahre betrug die Decktaxe für Poco Bueno US $ 5.000,- und er war limitiert auf vorher gesichtete und ausgewählte Stuten.

Ab 1966 verbrachte er seinen wohlverdienten Ruhestand auf den Santa Rosa Rodeo Grounds wo er seine eigene Weide hatte und man ihm alle Tore offen liess, damit er sich frei bewegen konnte. Am 28. November 1969 starb Poco Bueno im Alter von 25 Jahren. Er wurde in stehender Position begraben direkt gegenüber des Eingangs zur Ranch und ein grosser Granitstein mit der Aufschrift “ Champion and Sire of Champions” ziert sein Grab.

1990 wurde Poco Bueno in die AQHA Hall of Fame aufgenommen.

Quellen:

Poco BuenoLeading Sire fo ROM Performance Horses, ein Artikel aus dem Quarter Horse Journal 1961; Legends Volume I; The complete Book of the Quarter Horse by Nelson C.Nye , Triple J Quarter-Horses