King P-234

Eines Tages in den frühen 30er Jahren entdeckten Byrne James und seine Frau bei einer Fahrt auf einer staubigen Straße in Laredo, Texas, einen bay-farbenen Jährling , welcher von einem mexikanischen Jungen geführt wurde. Sie waren so begeistert vom Anblick dieses Jährlings, dass sie langsamer fuhren um ihn sich genauer ansehen zu können. Es war der außergewöhnlichste junge Hengst welchen sie je gesehen hatten und es ereilte sie sofort der Wunsch, diesen Jährling zu besitzen.

Sie folgten den beiden bis zu ihrem Stall, der Ranch von Charlie Alexander. Es stellte sich heraus, dass es sich nicht um ein gewöhnliches Quarter Horse handelte. Alexander hatte es als Absetzer von der Familie Volpe erworben. Der Vater des Fohlens war der berühmte Rennpferdevererber Zantanon. Nach kurzen Verhandlungen wurde man sich einig und der Jährling namens „Button wechselte für $300,-, was zur damaligen Zeit sehr viel Geld war, in den Besitz von Byrne James.

Schon bald nach ihrer Rückkehr auf die James Ranch änderte seine Frau den Namen des Jährlings.

Kennen Sie den Ausdruck: König der Tiere?

Für Frau James war wohl dieser Jährling der König der Quarter-Horses. Der Beste von allen! Und es zeigte sich nach einigen Jahren, dass sie recht behalten würde.

Byrne James war damals professioneller Baseballspieler. Diese Tätigkeit beanspruchte den ganzen Frühling und Sommer, so dass er nur in der restlichen Zeit des Jahres auf der Ranch war. Die harte Rancharbeit wurde meistens vom Pferd aus bewältigt, so dass auch King, als er alt genug war, für diese Arbeiten eingesetzt wurde. Pferde waren Hilfsmittel für die Rinderarbeit, kaum jemand machte sich die Mühe herauszufinden, wie sein Ranchpferd gezogen war.

James aber nahm die Mühe auf sich um alles über King in Erfahrung zu bringen. King wurde am 02.Juni 1931 geboren. Sein Vater war Zantanon, ein Sohn des berühmten Little Joe von Traveler aus Jenny, einer Sykes Rondo Tochter. Seine Mutter Jabalina war eine Yellow Jacket Großtochter und mütterlicherseits eine Großtochter von Traveler.

James kaufte noch zwei Vollschwestern von King, wovon eine mit ca. 1 Jahr starb. Die andere, Maria Elena, produzierte viele außergewöhnliche Fohlen.

James verlieh King als 3jährigen an den jungen Roper Win du Bose, der King am Rind trainierte. Win Du Bose sagte über King: „ Er lernte sehr schnell und besaß viel cow sense. Ich würde nicht sagen, er ware das schnellste Pferd welches ich je geritten habe, aber es fehlte ihm nicht an Beweglichkeit. Im nächsten Jahr kaufte Win den Hengst für $500,- . Er und Johnny Stevens, ein anderer junger Roper, starteten mit King auf vielen Rodeos im Westen und Südwesten von Texas.

1936 nahm Jess Hankins Kontakt mit Win DuBose auf, da er an King sehr interessiert war. Doch DuBose wollte den Hengst verständlicherweise nicht verkaufen. Ein Jahr später allerdings entschloß er sich dann doch zum Verkauf, und King ging für $800,- in den Besitz von Jess Hankins über. Damals hatte Hankins gerade sein ganzes Geld für eine Herde Rinder ausgegeben, so dass er sich das Geld von seinem Bruder leihen musste. Aber King war es ihm wert! Niemand verstand, warum Hankins soviel Geld für ein Pferd ausgegeben hatte.

Hankins versprach sich viel von King, aber dass er in diesem Moment eine Legende erwerben würde, damit hatte er sicherlich nicht gerechnet.

Im ersten Jahr bei Hankins lag die Decktaxe für King bei $15,-, zweiten Jahr bei $25,- und als er zwei Jahre später die Decktaxe noch einmal anhob, waren sich alle sicher dass er so keine Stuten mehr bekommen würde. Doch zum Schluß lag Kings Decktaxe bei $2.500,- und es mussten noch Stuten zurückgewiesen werden.

King galt als der Idealtyp des Quarter – Horses. Er war ca. 150cm groß und wog ca. 500 kg. Er war ein dunkler Bay mit einem hellen Schimmer im Fell. Seine Bemuskelung war kräftig und er war gut proportioniert. Dazu kam dass er sehr viel Ausdruck hatte. Sein freundliches und ruhiges Wesen, welches er sich sein ganzes Leben lang bewahrte, machte aus ihm ein echtes „People Horse. Hankins sagte einmal: „Jedes Kind, welches schon einmal mit Pferden zu tun gehabt hat, kann King reiten. Sein Einfluß als Vererber war außergewöhnlich. Seinen Nachkommen verlieh er fast ausnahmslos seine Veranlagung und seinen Ausdruck, egal mit welcher Stute er zusammengeführt wurde.

Es sind wohl unter anderem besonders zwei seiner Söhne die entscheidend dazu beigetragen haben, dass der Begriff „King – bred ein fester Bestandteil der Quarter Horse Zucht wurde. Hier sind zu nennen Poco Bueno und Royal King, die beide selber große Vererber sind. Desweiteren produzierte er mit der Stute Queen H zwei außergewöhnliche Rennpferde, Squaw H und Hank H.

Bis zu seinem Tode hat King Nachkommen hervorgebracht, die in Cutting, Reining und Working Cowhorse Disziplinen dominierten. Aber nicht nur seine direkten Nachkommen zeigen die Qualität dieses Hengstes. Auch die vielen King – Pferde der dritten oder vierten Generation, die seit den 50er Jahren die Quarter – Horse Besitzer mit ihrer guten Performance und ihrem so freundlichen Charakter begeistern, bewirkten, dass King P-234 einer der „Eckpfähle der Quarter – Horse Industrie wurde.

Für die Hankins Familie war King-P234 nicht nur eine lohnende Investition. Er war fester Bestandteil der Familie. Im Alter von 26 Jahren starb King an einer Herzattacke und wurde auf der Ranch der Familie begraben.

„Kein anderer heute lebender Hengst kann sich mit solchen Records rühmen wie King und nur die Zeit wird zeigen, ob es je einen vergleichbaren Hengst geben wird.

Kings Legende wird weiterleben solange sein Blut in den Adern der heutigen Quarter-Horses fließt.

(Quelle American Quarter Horse Journal)